01.
Februar 2009
„Verfälschte Geschichte. Pius XII
und Rolf Hochhuth. Ein Rückblick“
Zusammengestellt von Ingo Langner, gelesen von Corinna Kirchhof,
Frank Arnold
und Friedhelm Ptok
„Hitler war nicht der Amokläufer um jeden Preis, zu dem
man ihn heute macht.“ Rolf Hochhuth. Gütersloh, 1963.
„Auf welche Fakten konnte sich Rolf Hochhuth für seinen
Protest gegen die im Grunde unchristliche antibolschewistische Haltung
des Vatikans stützen?“ Hans-Joachim Kynaß, Berlin
1966.
„In der öffentlichen Diskussion, die seit dem Erscheinen
von Hochhuths „Stellvertreter“ entbrannt ist, entzünden
sich die Gegensätze der Auffassungen nicht primär an der
Frage der historischen Wahrheit, sondern an der Frage nach dem moralischen
Versagen und der moralischen Schuld. Die Kraft des Geschichtlichen
wird dabei entleert und Geschichte als reiner Fall der Moralkasuistik
angesehen, wobei nur geprüft wird, ob das Verhalten eines Menschen
bestehen oder nicht bestehen kann, ohne dass dieser Mensch aus seiner
ganzen geschichtsgebundenen Situation heraus gerecht gewürdigt
wird. Zu welchen Fehlurteilen ein solches Richten führen muss,
das bei der sittlichen Wertung des Verhaltens eines Menschen die
Geschichte nicht voll als Geschichte berücksichtigt, ist einleuchtend.
Dieses Fehlurteil muss sich aber noch ins Groteske steigern, wenn
verfälschte Geschichte als Grundlage der Verdammung genommen
wird.“ Walter Adolph, Berlin 1963. |
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08.
Februar 2009
„Hitlers Papst? – ein Dialog über
Pius XII“
Von und mit den Historikern Thomas Brechenmacher und Karl-Joseph
Hummel
„Geschichte sollte man von jetzt an füglich Hochhuth
überlassen’. Ob Martin Walser seine euphorische Forderung
vom Höhepunkt der Stellvertreter-Debatte (21.2.1963) heute
in dieser Weise wiederholen würde, steht füglich zu bezweifeln.
Selbst unfreiwilliges Opfer einer Geschichtsdebatte, in deren Zentrum
just die Frage nach der Instrumentalisierung von Geschichte stand,
dürfte Walser mittlerweile wohl eher im Sinne einer methodisch
geleiteten, vorsichtig zu wägenden und agierenden, traditionellen
Geschichtswissenschaft als Korrekturinstanz zu all den hitzigen
Debatten um die Vergangenheit plädieren. Denn Hochhuths „Stellvertreter“
war ja nur ein früher und prägnanter Vorreiter einer Entwicklung,
in deren Verlauf sich die jüngere deutsche Geschichte in ein
Schlachtfeld für medial ausgetragene Wortgefechte zu verwandeln
scheint. (…) Wenn allerdings der Historiker als Widerspruchsgeist
aus dem gelehrten Schmollwinkel heraustreten muß, dann sollte
er auch die Mechanismen der Debatte analysieren, sie zu verstehen
versuchen, und sie dann thematisieren, um sie stören zu können.“
Thomas Brechenmacher, Augsburg 2001.
Aus nationalsozialistischer Sicht galt Pacelli bereits vor der Wahl
zum Papst als Scharfmacher und kompromißloser Gegner. Goebbels
notierte am11. März 1937,also noch vor der Enzyklika „Mit
brennender Sorge“, in seinem Tagebuch: „Pacelli ganz
gegen uns. Liberalist und Demokrat.“ Der Eintrag zum Konklave
im März 1939 lautet: „Pacelli zum Papst gewählt.
… Ein politischer Papst und u. U. ein raffiniert und geschickt
vorgehender Kampfpapst. Also aufpassen.“ (3. März 1939),
und: „ Mittags beim Führer. Er erwägt, ob wir nicht
aufgrund der Wahl Pacellis zum Papst das Konkordat kündigen
sollen. Das wird bestimmt bei der ersten Kampfmaßnahme Pacellis
der Fall sein.“ (4.März 1939) Das Auswärtige Amt
schlug vor, die Glückwünsche zur Wahl Pius XII.
„Korrekt, aber angesichts der bekannten Einstellung des früheren
Kardinals Pacelli zu Deutschland und der nationalsozialistischen
Bewegung nicht besonders warm zu halten.“
Karl-Joseph Hummel, Bonn 2009. |
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